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grundsätzliche Überlegungen und Recherchen

  • das stehende Gut umfasst alle Seile oder Taue des Riggs, die sich normalerweise nicht bewegen lassen - sie stehen,
  • das sind die Wanten und Stage, die der Stabilisierung der Masten, Stengen und sonstiger Spieren dienen und nicht zur Bedienung der Segel eingesetzt werden,
  • um diese Taue gegen Wasser zu schützen, wurden sie geteert und haben deshalb eine dunklere Farbe als das laufende Gut
  • das muss nicht zwangsläufig schwarz sein, denn Teer verbindet man in der Neuzeit immer mit einem Erdölprodukt, welches z.B. beim Bau von Straßen eingesetzt wird,
  • im zeitgenössische Bezug zur Takelage handelt es sich jedoch um ein Produkt auf pflanzlicher Basis, was eher einen braunen Farbton ergibt,
  • beim traditionellen Teer handelt es sich um Holzteer der mit Kiefernöl (Terpentin) oder Leinöl verdünnt wurde, um auch in die Tiefe der Seile einziehen zu können,
  • je nach Verdünnung konnten so die verschiedensten Brauntöne erreicht werden, von kaum sichtbar bis tiefbraun

Eine Ausnahme bilden die in die Wanten eingebundenen Webleinen, auch die gehören zwar zum stehenden Gut, jedoch sieht man auf traditionellen Segelschiffen sowohl in dunkle wie auch helle Taue, soweit bekannt wird in der zeitgenössische Literatur auch über geteerte Webleinen berichtet. Ähnlich verhält es sich mit den Taljenreeps der Juffern.

  • stehendes Gut der Fregatte Berlin 
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Auswahl des Garns zur Herstellung der Taue

Man sollte darauf achten, dass es möglichst fusselfrei ist. Die Fusseln lassen sich zwar mit einem Feuerzeug abbrennen, aber dünne Leinen schmoren sehr schnell durch. Ideal hat sich Garn mit der Bezeichnung "Gütermann Mara" erwiesen, da es so gut wie fusslfrei ist.

Auflistung der Farbcode für das Gütermann-Garn:

Braun: 671, 674, 4015, 1643, 308, 3927, 682, 769, 3977, 697 oder 696

Schwarz: 2111, 799, 7905, 1254, 1274, 996, 163, 999, 0


die Taue für das stehende Gut

stehendes Gut der Fregatte Berlin

Ein kleiner Rückblick.

Links im Bild sind die Wanten eines Modells, das ich vor 30 Jahren gebaut habe im direkten Vergleich mit dem einen Seil rechts im Bild, so wie ich es heute selber herstelle.

Die vier Taue sind nicht bekleidet, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern mit der Bohrmaschine verdrilltes Baumwollgarn vom Sattler, mit schwarzer Zeichentusche gefärbt und Wachs fixiert, damit es kein Wuhling gibt.

Zum einen entstand das Modell in der sog. Wendezeit und auf dem heimischen Modellbaumarkt gab es (noch) kein Takelgarn zu kaufen. Andererseits wusste ich es auch noch nicht besser und eigentlich fand ich es damals ganz toll, solche Seile selber hergestellt zu haben.

Das einzelne Seil rechts im Bild habe ich klassisch gereept und ich denke, es ist ein deutlicher Unterschied zu sehen.


Recken der Taue

Wenn man Wanten am Modell spannt kann es passieren, dass diese Spannung mit der Zeit nachlässt und die Taue dann durchhängen, wie man auf dem Bild eines 30 Jahre alten Modells gut erkennen kann.

Deshalb habe ich die Seile schon in einer recht frühen Bauphase gereept und mit einem Gewicht beschwert aufgehängt. Wie Recherchen ergaben, wurde das vorherigen Recken auch im Original genutzt. Dem Zitat folgend "bis die Seele brach", wurde hier wohl recht heftig gestreckt.

Aus RC-Segler-Zeiten hatte ich noch feines Bleigranulat für Kielballast, was ich in Plastiktüten abgefüllt und an die Seile gebunden habe. Noch werde ich zu diesem Zeitpunkt einige Zeit benötigen bis die Takelage an die Reihe kommt, so können sich die Wanten und Stage in Ruhe recken.

  • stehendes Gut der Fregatte Berlin 
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Das stehende Gut, bestehend aus 52 Tauen der verschiedensten Funktionen, wurde an einem Wochenende in einem Rutsch komplett gereept und dann zum Recken aufgehängt.

Alle notwendigen Taustärken habe ich mit verschiedenen Quellen abgeglichen, eine detaillierte Excel-Liste mit Hilfe meines Taustärken-Rechner erstellt und ca. 70-80 cm lange Taue gereept. Die dazu benötigten Einzelgarne mit einer Länge von etwa 1 Meter ließen sich mit der manuellen Reepmaschine am besten händeln.

Für folgenden Taue:

  • Bugsprietzurring
  • Wuhlinge
  • Stage
  • Wanten
  • Taljereeps
  • Webeleinen
  • Hahnepotten
  • Pardunen
  • Seitentakel
  • Hanger

habe ich folgende Seile angefertigt:

  • 11 m 0,3 mm
  • 14 m 0,4 mm
  • 6 m 0,5 mm
  • 5 m 0,6 mm
  • 10 m 0,7 mm
  • 5 m 0,8 mm
  • 5 m 0,9 mm
  • 1 m 1,5 mm
  • 1 m 1,7 mm

Dafür wurden ca. 600 laufende Meter Garn verarbeitet. Verwendet wurde Gütermann Garn Farbcode 671 (dunkels Braun) ausschließlich mit 120er Fadenstärke.

Das dünnste Tau welches ich damit fertigen kann, hat einen Durchmesser von 0,3 mm. Für die Webeleinen z.B. bräuchte ich eigentlich 0,2 mm. Da mit bloßem Auge aber gar keine Struktur des Taus mehr zu erkennen ist, verzichte ich auf derart dünne Seile und beginne im Weiteren erst bei 0,3 mm.

Bei den benötigten Taustärken runde ich immer auf volle Zehntel und lasse ggf. einen Faden pro Kardeele weg oder reepe einen zusätzlich ein, um mich dem gewünschten Durchmesser zu nähern.


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