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Die Fregatte Berlin, eines meiner frühen historischen Standmodelle, habe ich verschenkt und wurde beim neuen Eigner gestohlen. Das Modell hatte ich 1987 nach Plänen aus dem Buch "Risse von Schiffen des 16./17. Jahrhunderts" aus der Blauen Reihe des Historff Verlags gebaut.

  • Fregatte Berlin 
  • Fregatte Berlin 

Wenn ich mich so zurück entsinne, war die damalige Materialbeschaffung in der DDR mit reichlich Kreativität verbunden:

  • Deck und Beplankung aus sog. Tapetenleisten
  • Masten, Spieren und Rahen aus Rundhölzern von Sylvester-Raketen
  • "gedrechselte" Geländerstützen imitiert aus Luftgewehrdiabolos
  • Kanonenrohre mit Gipsformen und Lötzinn selbst gegossen
  • Figuren am Heckspiegel umfunktioniert aus Figuren eines Brettspiels
  • an der Galion ein Löwenkopf aus dem Spielzeug-Zoo
  • Grätinge aus Lockenwicklern
  • Segelstoff aus Bettlaken von der Oma genäht
  • Blöcken aus gebrannter Plastelin-Knetmasse
  • Leinen passend aus Nähgarn mit einer Handbohrmaschine gezwirbelt und mit Kerzenwachs "imprägniert" damit nix fusselt

33 Jahre später weckte ein 50 Jahre alter Baukasten dieses Modells in einem bekannten Kleinanzeigenportal meine alten Geister. 1970 von der Fa. Graupner angeboten - oh mein Gott, das war das Jahr meiner Einschulung. Es ist auch 30 Jahre her, als ich mein letztes historisches Standmodell auf Kiel gelegt habe und es sind 10 Jahre vergangen, als ich mich entschlossen habe mit dem Modellbauen zu pausieren.

Die Notalgie quillt ja direkt aus allen Poren;-)

Es juckte ein wenig in den Fingern und deshalb kaufte ich für kleines Geld diesen Baukasten, angeboten unbespielt im Originalzustand mit vollständigem Beschlagsatz, den man damals immer noch zusätzlich erwerben musste.


Kurz etwas zum Original

Über das Original gibt es zahlreiche Infos. Das Schiff hat sogar in der Wikipedia einen recht detailierten Eintrag.

Neben der Abbildung auf einem zeitgenössischem Gemälde findet man auch in der Modellbauliteratur diverse Informationen.

  • Fregatte Berlin 
  • Fregatte Berlin (Foto: www.maritiemdigitaal.nl) 
  • Fregatte Berlin (Foto: Schifffahrtsmuseum Amsterdam) 
  • Fregatte Berlin (Foto: Wikipedia) 

Historie

  • 1674 im holländischen Zeeland gebaut
  • im Sommer 1675 vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg als Charterschiff für den Einsatz in der Kurbrandenburgische Marine in Dienst gestellt
  • September 1675 im Schwedisch-Brandenburgischen Krieg ohne Erfolg gegen die schwedische Festung Karlsburg in der Wesermündung eingesetzt
  • November 1675 Verfolgung des französischen Kaperschiffs "La Royal de Dunquerque" auf der Niederelbe bis zum Hafen Hamburgs, die Übergabe des Schiffes wurde von Hamburg aber verweigert, dafür wurde eine Entschädigung an den Kurfürsten bezahlt
  • ab Mitte Mai 1676 Einsatz in der Ostsee gegen die Schweden
  • 4. Juni 1676 wurde zusammen mit der Fregatte "König von Spanien" und der Galiot "Cleve" die schwedischen Brander "Leoparden" und "Diederik" erobert
  • kurz danach wurde die im Postdienst zwischen Schweden und Stralsund fahrende schwedische Kriegsgaliot "Maria" erbeutet
  • 2. August 1677 wurde die "Maria" aufgebracht
  • 23. September 1678 mit anderen brandenburgischen und dänischen Kriegsschiffen Unterstützung bei der Invasion Rügens für die Übersetzung von brandenburgischen Truppen von Peenemünde auf die Insel Rügen
  • Oktober/November 1678 Einsatz bei der Belagerung und Eroberung der zu Schweden gehörenden Städte Stralsund und Greifswald
  • 1679 Einsatz mit weiteren fünf Schiffen in der Nordsee vor Hamburg, um ausstehende Hilfsgelder einzutreiben wurde mehrere hamburgische Handelsschiffe aufgebracht, die anschließend in Kopenhagen versteigert wurden
  • 14. August 1680 mit einer Besatzung von 50 Mann, 20 Soldaten Marineinfantrie und einer Bestückung von 16 Kanonen im Geschwadereinsatz mit weiteren vier Fregatten und einem Brander von Pillau auslaufend Richtung Nordsee
  • 18. September 1680 Eroberung des spanischen Kriegsschiffes "Carolus Secundus" auf der Reede vor dem belgischen Oostende
  • auf der anschließende Reise nach Westindien (Karibik/Amerika) wurden drei spanischen Schiffe erbeutet
  • Mai 1681 mit vier Fregatten zurück in Pillau
  • 20. November 1681 letzter militärischer Einsatz bei der Unterstützung der brandenburgischen Schnauen "Falke" und "St. Johann Batist" gegen spanische Schiffe
  • ab 1684 stationiert im brandenburgischen Stützpunkt Emden, Übernahme durch die Brandenburgisch-Afrikanische Compagnie, umbenannt in "Stadt Berlin"
  • Ende 1687 Reise nach Westafrika
  • 7. Januar 1688 bei Fida vor der Küste Guineas durch die Niederländisch-Westindien-Kompanie beschlagtnahmt

technische Daten

Flagge: Brandenburg-Preußen
Schiffstyp: Fregatte
Indienststellung: 1675
Lüa: 80 Fuß (22,65 m)
Breite: 22 Fuß (6,23 m)
Verdrängung: ca. 180 bis 200 Tonnen
Besatzung: 50-100 Mann
Rigg: 3 Masten, 9 Segel: Oberblinde, Blinde, Fock, Vormars, Vorbram, Groß, Großmars, Großbram, Besan
Bewaffnung (1676): 15 Kanonen, 10×4-Pfünder 8,5 cm, 2×3-Pfünder 8,2 cm, 3×2-Pfünder 6,1 cm

Quelle: Risse von Schiffen des 16./17. Jahrhunderts



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