Logo

Rundkopf Ringbolzen bei Steingraeber-Modelle


Im Mittelalter ein nordeuropäisches Segelschiff von gerundeter Form und flachem Boden ohne Kiel. Dieser Schiffstyp hat eine besonders lange Entwicklungsgeschichte mit vielen Zwischenstufen hinsichtlich seines Verwendungszweckes, seiner Größe, Bauweise und des Antriebes bis zu seiner letzten Entwicklungsstufe als dreimastiges Kraweelschiff durchlaufen. Die Ursprünge von "Hulk" kommen in den Worten hulec, hoele, holcas und Holk zum Ausdruck und sind wahrscheinlich während der Römerherrschaft nach Nordeuropa gebracht worden, als Bezeichnung für ein von Land aus geschlepptes Schiff. Außerdem wurden bereits in der frühgermanischen Zeit in Südskandinavien Einbäume mit "holker" bezeichnet.

Am holländischen Utrecht-Schiffs fund, einem Hulk aus der Zeit um 800, ist die weit vorn liegende Mastspur eines Treidelmastes ein sicheres Kennzeichen eines von Land durch Menschen oder Zugtiere geschleppten Treidelschiffes. Römische Fresken zeigen bereits ähnliche Mastanordnungen an römischen Schiffen; s.a. OstiaFresko.

In den folgenden Jahrhunderten blieb die Typbezeichnung nicht auf Flussschiffe begrenzt. So geht aus englischen Listen über Hafenzölle aus der Zeit um 1000 hervor, dass mit "Hulk" zu dieser Zeit bereits mittelgroße seegehende Schiffe bezeichnet wurden. Die Gebühren betrugen sowohl für Keels als auch für Hulks 4pence, also waren diese beiden Schiffstypen auch ungefähr von gleicher Größe. Damals zahlte man für sehr kleine Schiffe einen Halfpenny und für kleine Schiffe einen Penny.

Interessant für die Bedeutung des Hulks im 13. Jh. ist das Siegel der englischen Stadt Hulkesmouth von 1295, auf dem ausdrücklich das dargestellte Schiff als Hulk bezeichnet wird.

Im 13. Jh. hatte der Hulk etwa die Größe von 50 bis 60 Lasten (etwa 100 bis 1 20t Tragfähigkeit). Erst zu Ende des 1 4. Jh. entsprach der Schiffstyp in seiner Größe den damaligen Koggen, die er danach überholte, sodass er im 15. Jh. etwa 150 Lasten (etwa 300t) Tragfähigkeit erreichte.

Ursprünglich hatte der Hulk stets einen flachen, kiellosen Boden und eine gerundete Form. Die Schiffsenden waren vorn meistens stark gerundet und achtern nur flach hochgezogen. Diese flache achtere Kaffe entstand wie beim Kaffenkahn durch das bogenförmige bis über die Wasserlinie reichende Hochziehen des flachen Schiffsbodens.

Im Nord- und Ostseebereich entwickelten sich bis in das 14. Jh. die 3 bedeutendsten größeren Schiffstypen, die französische Nef, die hansische Kogge und flämischen Hulks relativ eigenständig nebeneinander. Danach entstanden Mischtypen und setzten sich hinsichtlich der Schiffskörperformen, der Aufbauten und Besegelungen die bewährtesten Varianten bei verschiedenen Schiffstypen durch.

So kann der einmastige Hulk um 1400 als eine Verschmelzung mit der Kogge und als eine kombinierte Hulk-Koggen-Weiterentwicklung zu einem beträchtlich größeren und seetüchtigen Schiff mit Tragfähigkeiten über 200t angesehen werden. Viele Siegelbilder vom 13. bis 17. Jh. zeigen rundgebaute ein- und mehrmastige Schiffe mit und ohne Kastelle. Im Unterschied zu den bei frühen Koggen vorhandenen gerüstartigen vorderen und hinteren Kastellen waren beim Hulk die Seitenplanken bereits im Bereich des Vor- und Achterkastells bogenförmig nach oben gezogen, so dass die Aufbauten mit dem Schiffskörper direkt verbunden waren. Obwohl für den Hulk der flache Boden und für die Kogge die Klinkerbauweise mit Kiel typisch waren, gab es in der Übergangszeit zum dreimastigen Kraweelschiff auch Mischtypen von hulkähnlicher Form, klinkerbeplankt und auf Kiel gebaut, wie das Danziger Siegel von 1400 zeigt. Die Bezeichnungen aus dieser Zeit sind daher auch weniger einheitlich, so dass sehr ähnliche Schiffe in verschiedenen zeitgenössischen Darstellungen und an verschiedenen Orten sowohl als Kogge als auch als Hulk bezeichnet werden.

In dem aus Hulk und Kogge hervorgegangenen neuen Hulktyp wurden solche für die Stabilität und Tragfähigkeit günstigen Merkmale wie ein flacher und breiter, aber seitlich gerundeter Boden und dementsprechend eine völligere Schiffsform mit den Vorzügen der späteren Koggenentwicklung (Kiel, vorgebauter Vorsteven, Heckruder in Kiellinie, Aufbauten, günstige Segeleigenschaften) vereinigt. Beide Schiffstypen waren noch klinkergebaut. Als ein äußeres Unterscheidungsmerkmal der beiden in ihrer Endphase sehr ähnlichen Schiffe kann die konstruktive Gestaltung der vorderen und hinteren Aufbauten und ihre Einbeziehung in den Schiffskörperverband durch hochgezogene Seitenplanken angesehen werden. Mit seiner Schiffsgröße erreichte der Schiffstyp die Grenzen der geklinkerten Beplankung hinsichtlich des steigenden Aufwandes zum Anpassen der Spanten, der notwendigen festen Verbindung der Planken mit den Spanten zur Aufnahme der aus den vertikalen Querkräften und der Biegung herrührenden

Beanspruchung sowie der Abdichtung zwischen den Plankengängen. Zur Überwindung dieser Schwierigkeiten vollzog sich im Nord- und Ostseebereich, begünstigt durch die Seeverbindungen mit der Bretagne und dem Mittelmeer, der Übergang zu der im Mittelmeer von Anbeginn üblichen Kraweelbauweise für die damalige Zeit sehr schnell, etwa in der Zeit von 1460 bis zum Jahrhundertende.

Im Zusammenhang mit den größeren Schiffen war eine weitere Entwicklungsschranke in der Besegelung zu überwinden. Die für große Schiffe entsprechend notwendige größere Segelfläche erreichte unter Beibehaltung eines einzigen Rahsegels Abmessungen, die an einem einzigen naturgewachsenen Mast nur noch schwierig handhabbar waren. So vollzog sich in der Besegelung auch im Norden der Übergang vom einmastigen zum mehrmastigen Schiff, wobei dreimastige Schiffe bevorzugt wurden.

Dreimastige Kraweelschiffe, auch "Kraweel" oder "Karweel" genannt, die aus dem einmastigen Hulk durch die Übergänge zur Kraweelbeplankung und Mehrmastanordnung hervorgingen, wurden auch als Dreimaster-Hulk oder nur als Hulk bezeichnet. Ein gemeinsames Kennzeichen der 3 Frachtschiffstypen des Nordens, Kogge, Hulk und Kraweel, blieb weiterhin die völlige und breite Schiffsform, bei der das Verhältnis von Schiffslänge zur Breite des Schiffes etwa 3: 1 betrug.

Später wurde die Bezeichnung Hulk auch in ganz anderem Sinne gebraucht. Nicht mehr seetüchtige und abgetakelte, aus der Liste der fahrtüchtigen Schiffe gestrichene, ausgediente Kriegs- oder Handelsschiffe wurden als Hulk bezeichnet, wenn sie noch als schwimmende Kohlenbunker, Frischwasserschiffe, Lager-, Wohn-, Kasernen- oder Gefängnisschiffe (Kohlen-, Wasser-, Wohn-, Kasernen- oder Gefängnishulk) verwendet wurden. Anderweitig nicht mehr brauchbare Hulks dienten auch als geschleppte Seeziele bei Übungsschießen.


SeitenanfangZurückWeiter
Infos