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Die ersten Versuche der Herstellung von Schäkeln erfolgte mit einfachsten Mitteln. Außer einer Rundzange wurde kein spezielles Biegewerkzeug benutzt. Dabei trat ein Problem in den Vordergrund: Bei der Serienherstellung konnte nicht gewährleistet werden, dass die ein Schäkel dem anderen glich. Mal war ein Schäkel ein bisschen länger, mal ein wenig kürzer.

Also musste eine entsprechende Biegevorrichtung gebaut werden, um identisch große Schäkel herzustellen.

Dank einer Mini-Fräse von Proxxon konnte dieses Problem gelöst werden.

Schäkel mit Biegevorrichtung 
In die Oberseite eines Aluminium-Werkstücks wurde eine Nut gefräst. Die Maße der Nut entsprechen der Breite und Dicke des Schäkel-Rohmaterials (5 x 1 mm) und der Länge des späteren Schäkels.
Schäkel mit Biegevorrichtung 
Auf der Unterseite wird deckend ebenfalls eine Nut gefräst, jedoch etwas länger als auf der Oberseite
Schäkel mit Biegevorrichtung 
In der Draufsicht sind bei Nuten gut zu sehen.
Schäkel mit Biegevorrichtung 
Auf der Oberseite (kurze Nut) wird eine kleine Platte aufgesetzt und mit der Biegevorrichtung verschraubt.

Anschließend wird mit einem 1,5 mm Bohrer sowohl die Platte als auch die Biegevorrichtung durchbohrt.
Schäkel mit Biegevorrichtung 
Entsprechende der Länge der kurzen Nut auf der Oberseite wird auf der Unterseite eine schmale Quernut gefräst. Sie dienst später zum genauen Abtrennen des Schäkel-Rohlings.
Schäkel mit Biegevorrichtung 
Zu Schluss werden die Biegekanten noch abgerundet.
Schäkel mit Biegevorrichtung 
Die Herstellung der Biegevorrichtung ist damit abgeschlossen. Nun kann mit der Herstellung der Schäkel bekommen werden.

Dazu wird ein Messing-Streifen (5 x 1 mm) in die Biegevorrichtung eingesteckt. Gut zu erkennen: die Abdeckplatte ist etwas kürzer als die Nut. Somit kann man kontrollieren, dass der Messing-Streifen auch richtig eingelegt wurde.
Schäkel mit Biegevorrichtung 
Der Messing-Streifen wird gebogen...
Schäkel mit Biegevorrichtung 
... und mit einer Trennscheibe auf die richtige Länge gekürzt.
Schäkel mit Biegevorrichtung 
Hier das fertige Ergebnis.
Schäkel mit Biegevorrichtung 
Nun wird die Bohrung für die Aufnahme des Schäkelbolzens mit einem 1,5 mm Bohrer gebohrt. Es wird komplett durchgebohrt.
Schäkel mit Biegevorrichtung 
Nun durch die Bohrung in Die eine Seite der Rohlings ein 2-mm-Gewinde schneiden.
Schäkel mit Biegevorrichtung 
Dann die komplette Biegevorrichtung drehen und die Bohrung auf der Unterseite mit einem 2,2 mm Bohrer erweitern.
Schäkel mit Biegevorrichtung 
Arbeitsaufwand für 11 Rohlinge ca. 30 Minuten. Gut zu sehen - durch den Einsatz der Biegevorrichtung konnten relativ gleiche Stücke gefertigt werden.
Schäkel mit Biegevorrichtung 
Nun folgt die Feinarbeit:

Hierzu wurde am anderen Ende der Biegevorrichtung eine entsprechende Form heraus gefräst, die es gestattet den Schäkelschaft zu bearbeiten.
Schäkel mit Biegevorrichtung 
Dazu wird der Rohling einfach aufgesetzt und mit einer Schraube fixiert. Nun kann der Schaft mit Hilfe eines Schleifkörpers beschliffen werden. Erst ein Seite, dann den Rohling lösen, umdrehen, wieder verschrauben und die andere Seite bearbeiten.

Natürlich kann das Ganze auch in die Fräsmaschine eingespannt werden.
Schäkel mit Biegevorrichtung 
Fertige Rohlinge...
Schäkel mit Biegevorrichtung 
... und die fertigen Schäkel nach dem Verschleifen mittels Minibohrmaschine und Schleifkörper.
Schäkel mit Biegevorrichtung 
Herstellung des Schäkelbolzens: Auf ein Messingrohr wird ein 2-mm-Gewinde geschnitten, nur so viel, dass das Bolzen festgeschraubt werden kann. Warum ich eine Messingrohr genommen habe, dazu komme ich später.
Schäkel mit Biegevorrichtung 
Der Bolzen wird bündig mittels Trennscheibe abgeschnitten.
Schäkel mit Biegevorrichtung 
Der Schäkelbolzen bekommen nun sein Auge. Hier tricksen wir ein bisschen. Dazu nutzen wird einen im Fachhandel (z.B. Aeronaut) erhältlichen Handlaufdurchzug. Diese sind schon vorgebohrt.
Schäkel mit Biegevorrichtung 
Dieses Kleinteil wird beidseitig abgeflacht...
Schäkel mit Biegevorrichtung 
... und in den Bolzen eingelötet. Deshalb auch ein Messingröhrchen als Bolzen.
Schäkel mit Biegevorrichtung 
Verschraubt man nun den fertigen Bolzen mit dem Schäkel, hat man ein perfektes Ergebnis.
Schäkel mit Biegevorrichtung 
Hier das fertige Ergebnis eines Samstag-Nachmittags.

Dieser Baubericht ist eine Variante der Herstellung von Schäkeln. Sieht man von der Herstellung der Biegevorrichtung ab, wurde für 12 fertige Schäkel folgender Zeitaufwand benötigt:

  • Biegen des Rohmaterials und Verjüngen des Schaftes - 1,5 Std.
  • Schleifarbeiten und Polieren des fertigen Schäkels - 2,5 Std.
  • Herstellen der Schäkelbolzen - 2 Std.
  • Gesamt also gute 6 Stunden = 30 Minuten pro Schäkel, aber immerhin ein zufriedenstellendes Ergebnis.

Die so gefertigten Schäkel sind durchaus recht belastbar. Ein Belastungsprobe wurde mit einem 10-Liter-Wassereimer durchgeführt.


Literaturverweise:

  • Blöcke und Schäkel im Eigenbau
    Modellwerft 1994/03 Seite 23
    Schiffsmodell 2001/01 Seite 40
  • Schäkel im Schiffsmodellbau
    Modellwerft 1979/03 Seite 154

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