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Englische Modell-Rumpfbauer haben einen guten Ruf. Caldercraft und Kingston Moulding seien als Vertreter genannt. I. d. R. bekommt man leichte und stabile GFK-Rümpfe auf Polyester-Basis laminiert mit exzellenter Gelcoat-Außenhaut. Polyester ist perfekt, da es sich gegenüber Epoxid wesentlich besser überlaminieren und kleben lässt.

Ich habe schon mehrfach Rümpfe auf der Insel geordert, das Bestellprozedere per Kreditkarte oder über elektronische Bezahlsysteme funktioniert ohne Probleme. Der Umrechnungskurs Pfund/Euro ist mittlerweile vernachlässigbar.

Allerdings, unbedingt vorher mit dem Anbieter Kontakt aufnehmen und die Versandkosten erfragen. Bei Überschreitung bestimmter Abmessungen kann das Objekt der Begierde recht schnell den doppelten Preis erreichen.

Ich bestellte bei Orion Moulding's den Pilot Cutter Hilda inklusive Bauplan und auch diesmal lief so weit alles glatt, zumindest fast.

Nach genau einer Woche lag das Paket mit der erwarteten Qualität auf der Helling meiner Modellwerft, mit einer handschriftlichen Nachricht "Bauplan wird nachgeliefert". Fünf Tage später trudelte dieser dann auch ein.

Die beiden Planbögen sind allerdings nicht das was man von einem Bauplan erwartet. Auch bei dem o. g. Auktionsrumpf war ein Plan dabei, der bestenfalls als eine beiläufig angefertigte Skizze durchgeht, was mir auch bei anderen Bestellungen schon aufgefallen ist. Die Engländer mögen eine große Seefahrernation sein, aber beim Planzeichnen tun sie sich schwer;-)

Der Plan umfasst:

  • eine halben Linienriss in der Draufsicht
  • Seiten- und Spantenriss
  • vier vertikale Sektionsschnitte, die die Inneneinrichtung zeigen
  • eine Draufsicht auf das Deck, halbiert, eine Hälfte zeigt das Deck, die andere legt den Blick auf die Decksbalken und Inneneinrichtung frei
  • des Weiteren ein Seitenansicht des geschnittenen Modell, also wieder ein Blick auf die Inneneinrichtung

Einige wenige der Hauptdetails sind nur teilweise gezeichnet oder angedeutet

  • Innenansicht des Schanzkleids über die komplette Länge
  • Mast nur bis zum Lümmellager des Baums mit Rollreffeinrichtung (ohne weitere Detaillierung)
  • Seitenansicht des Bratspills, Draufsicht lediglich nur die Hälfte, die Seite der Spilltrommel, kaum verwertbar
  • die Klüverbaumbeting
  • Niedergang in der Drauf- und Seitenansicht lediglich als Schnittzeichnung
  • irgendetwas, möglicherweise ein Kombüsenschornstein und weitere Details, die nicht zu definieren sind

Einige wichtige Details fehlen:

  • es wird nicht klar, ob ein Pfahlmast oder Mast mit Stenge gefahren wird
  • Beschläge am Mast, Baum und Klüverbaum
  • stehendes Gut
  • kompletter Riss des bei Lotsenschiffen so wichtige Beiboot
  • das Luk zur Vorpiek ist zwar in der Seitenschnittzeichnung angegeben, fehlt aber in der Draufsicht

Der Plan ist nicht 1:1 zum Rumpf, er ist um das 1,3-fache kleiner, hochgerechnet irgendein Maßstab zwischen 1:16 und 1:15. Permanentes Umrechnen ist immer etwas nervig.

Der Segelriss ist nur stilisiert, ich würde ihm nicht wirklich vertrauen. Hochgerechnet im Maßstab 1:93,4. Zudem unterscheidet er sich grundsätzlich von dem Segelriss des Originals, welcher im Buch "Das Gaffelrigg" von John Leather abgebildet ist. Irgendwie sitze ich hier und schüttle mit dem Kopf.

4. Dezember - Der Rumpf ist angekommen


Wie erwartet beste Qualität, 2.380 g leicht, GFK auf Polyesterbasis mit exzellenter Gelcoat-Außenhaut. Statt dem erwarteten Bauplan liegt ein handschriftlicher Zettel bei, dass er nachgeliefert wird.

Heute auch gleich noch das Buch "Das Gaffelrigg" von John Leather bestellt.

Habe mit Wasserflaschen provisorisch den Ballastanteil ermittelt, es wird um die 15 kg benötigt. Das ist Atlantis-Niveau, mit dem je nach Segelreff ein aufrechtes Segeln auch bei etwas mehr Wind möglich sein sollte.

Eine Liste für das benötigte Holz zusammengestellt. Da etwas dunkler als Kiefer oder Fichte und ich nicht erst auf das natürliche Nachdunkeln warten möchte, werde ich Red-Zeder für die Decksbeplankung verwenden. Für den Schandeckel, Schanzkleidstützen, Aufbau und diverse Holzbeschlagteile werde ich Birne nehmen.

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7. Dezember - einige Überlegungen für die RC-Funktionen


  • Bordnetz 4,8 V für Empfänger und 7,2 V für die Winden.
  • Um mir den ständigen Ein- und Ausbau zu ersparen, bekommt das Modell einen eigenen Empfänger, zum Einsatz kommt der preiswerte Graupner 6-Kanal-Micro-Superhet R 600.
  • Motorisierung oder ein Hilfsantrieb sind nicht vorgesehen.
  • Angesichts der zu erwartenden Modell-Verdrängung von über 10 kg und einer recht großen Ruderfläche habe ich mich für eine etwas kräftigere Rudermaschine entschieden, das Hochleistungsservo Hitec HS-645MG mit einem Drehmoment von 114 Ncm bei 6 V.
  • Es sollen zwei funktionsfähige Backstage realisiert werden. Hierfür wird Kraft und ein großer Verstellweg benötigt. Das könnte ein Segelverstellservo leisten, allerdings beträgt der Servoweg je nach Anbieter nur 140 bis max. 160°. Da diese Sonderfunktion lediglich die Aufgabe hat einen Stag festzusetzen bzw. lose zu geben, wird keine proportionale Verstellung benötigt. So kommt für jedes Backstag ein Hitec HS-75BB mit 81 Ncm bei 6 V zum Einsatz. Dabei handelt es sich eigentlich um Servos für Einziehfahrwerke von Flugmodellen, mit einem Verstellweg von 180° von Vollausschlag zu Vollschlag
  • Segelfläche 0,96 m²
    • Großsegel = 0,53 m²
    • Toppsegel = 0,17 m²
    • Focksegel = 0,12 m²
    • Klüversegel = 0,14 m²
  • insgesamt kommen drei Segelwinden Hitec HS-785HB zum Einsatz:
    • eine Winde für Fock- und Klüversegel
    • zwei Winden für das Hauptsegel (siehe: Schotweg verlängern)

15. Dezember - die Planung geht weiter


Die Bestellung für das Holz ist raus. Die Segelwinden und Servos und auch der Bauplan ist mittlerweile aus England eingetroffen.

Ich habe mich entschlossen ein komplett abnehmbares Deck zu realisieren.


16. Dezember - das Projekt hat einen Namen


Das Projekt hat nun auch einen Namen.

Ich habe einen Spleen, dass meine Modelle möglichst einen Namen haben, der mit "A" beginnt. Das Projekt wird auf den Namen Ascharia getauft, der lateinische Name meiner Geburtsstadt

Ich bin immer noch voll dabei Material zu besorgen. Für die Deckskonstruktion habe ich heute wasserfesten Holzleim, 1 m² 1,5-mm-Sperrholz und noch Leisten für die Zwischendeckskonstruktion gekauft.


18. Dezember - offizieller Baubeginn


Um ein abnehmbares Deck zu realisieren, musste das Schanzkleid unterhalb der Scheuerleiste mit einer Trennscheibe abgeschnitten werden.

Die Balkweger für die Zwischendeckskonstruktion sind beidseitig im Rumpf eingeklebt. Der Abstand von der Rumpfoberkante entspricht der Stärke der Decksbalken.

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Die Stirnseite der Decksbalken mussten exakt auf den Verlauf der Rumpfinnenseite angeschliffen und im gleichen Winkel eine Nut für die späteren Stringerleisten eingefräst werden.

Die Decksbalken sind eingepasst, auf die Balkweger aufgelegt und verleimt. In die Abstände zwischen den Balken wurden Füllhölzer eingesetzt. Alles schließt nun bündig mit der Rumpfoberkante abschließen.

Zur Stabilisierung wurde noch unter jedem Decksbalken von der Rumpfkante bis zu Stringernut mit leichter Überlappung eine Dopplung aufgeleimt.

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20. Dezember - Stringerleisten
14 Baustunden


Durch die Verstärkungen mit zwei Stringerleisten ist die gesamte Konstruktion äußerst stabil und verwindungssteif.

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27. Dezember - das Zwischendeck
27 Baustunden


Das Zwischendeck, aus zwei Lagen 1,5 mm wasserfestem Sperrholz, ist aufgeklebt.

Die Leisten der Unterdeckskonstruktion und die Unterseite der ersten Lage Sperrholz wurden satt mit mittelviskosem Epoxid eingestrichen und somit gleich gegen Feuchtigkeit konserviert.

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29. Dezember - formverleimte Decksbalken
31 Baustunden


Diesmal versuche ich mal eine ganz neue Variante: keine ausgesägten, sondern formverleimte Decksbalken. Man bekommt so exakte, dünne und trotzdem stabile Decksbalken, meine sonst ausgesägten Exemplare waren wesentlich klobiger und das Aussägen an sich auch wesentlich aufwendiger.

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31. Dezember - das Hauptdeck
32 Baustunden


Für die Realisierung des Hauptdecks wurde auf eine 1 mm Sperrholzplatte eine Art Rahmen aus 2 Lagen 1,5 mm Sperrholz aufgeleimt ist. Dieser Rahmen ist die Grundlage des späteren Hauptdecks und bildet quasi den "Deckel" der abnehmbaren Deckskonstruktion.

Die Auflagefläche des Zwischendecks ist nicht gerade, sondern folgt den Linien des Rumpfes, dem sog. Deckssprung - die positive (konkave) Krümmung in Schiffslängsrichtung. Damit das Hauptdeck später bündig aufliegt, ist es vorerst mit Schrauben auf der Zwischendeckskonstruktion fixiert.

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Die ersten Decksbalken sind verklebt. In die Abstände zwischen den Balken wurden Füllhölzer eingeleimt. Ein kleiner Nagel hilft beim Fixieren bis zum Aushärten des Klebers.

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