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grundsätzliche Überlegungen und Recherchen

  • das stehende Gut umfasst alle Seile oder Taue des Riggs, die sich normalerweise nicht bewegen lassen - sie stehen,
  • das sind die Wanten und Stage, die der Stabilisierung der Masten, Stengen und sonstiger Spieren dienen und nicht zur Bedienung der Segel eingesetzt werden,
  • um diese Taue gegen Wasser zu schützen, wurden sie geteert und haben deshalb eine dunklere Farbe als das laufende Gut
  • das muss nicht zwangsläufig schwarz sein, denn Teer verbindet man in der Neuzeit immer mit einem Erdölprodukt, welches z.B. beim Bau von Straßen eingesetzt wird,
  • im zeitgenössische Bezug zur Takelage handelt es sich jedoch um ein Produkt auf pflanzlicher Basis, was eher einen braunen Farbton ergibt,
  • beim traditionellen Teer handelt es sich um Holzteer der mit Kiefernöl (Terpentin) oder Leinöl verdünnt wurde, um auch in die Tiefe der Seile einziehen zu können,
  • je nach Verdünnung konnten so die verschiedensten Brauntöne erreicht werden, von kaum sichtbar bis tiefbraun

Eine Ausnahme bilden die Taljereeps und in die Wanten eingebundenen Webeleinen, auch die gehören zwar zum stehenden Gut, jedoch sieht man auf traditionellen Segelschiffen sowohl in dunkle wie auch helle Taue, soweit bekannt wird in der zeitgenössische Literatur auch über geteerte Webeleinen berichtet.

Diese Frage wird immer mal wieder in Fachforen diskutiert und kann aber letztendlich nicht eindeutig beantwortet werden.

  • stehendes Gut der Fregatte Berlin 
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die Taue für das stehende Gut

stehendes Gut der Fregatte Berlin

Ein kleiner Rückblick.

Links im Bild sind die Wanten eines Modells, das ich vor 30 Jahren gebaut habe im direkten Vergleich mit dem einen Seil rechts im Bild, so wie ich es heute selber herstelle.

Die vier Taue sind nicht bekleidet, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern mit der Bohrmaschine verdrilltes Baumwollgarn vom Sattler, mit schwarzer Zeichentusche gefärbt und Wachs fixiert, damit es kein Wuhling gibt.

Zum einen entstand das Modell in der sog. Wendezeit und auf dem heimischen Modellbaumarkt gab es (noch) kein Takelgarn zu kaufen. Andererseits wusste ich es auch noch nicht besser und eigentlich fand ich es damals ganz toll, solche Seile selber hergestellt zu haben.

Das einzelne Seil rechts im Bild habe ich klassisch gereept und ich denke, es ist ein deutlicher Unterschied zu sehen.

Das stehende Gut, bestehend aus 52 Tauen der verschiedensten Funktionen. Hierfür wurde Gütermann-Garn Farbcode 671 (dunkels Braun) mit 120er oder 220er Fadenstärke verwendet.

Alle notwendigen Taustärken habe ich mit verschiedenen Quellen abgeglichen und eine detaillierte Excel-Liste mit Hilfe meines Taustärken-Rechner erstellt.


die Stage

Auch wenn es nicht ganz der Zeitepoche entspricht, habe ich wie bei SC und MA nachzulesen und bei BI abgebildet, die Stage mit Kabelschlag links, alle anderen Taue mit Trossenschlag rechts geschlagen. Auch bei den historischen Modellen der William Rex (1698) und Prins Willem (1651) ist dies gut zu erkennen.

Die Stage, insbesondere die der Untermasten, sind neben dem Ankerkabel die stärksten Taue auf dem Schiff. Ab einem Umfang von etwa 9 Zoll konnten diese Seile nicht mehr fest genug geschlagen werden, so dass man als Kardeele rechtsgeschlagene Taue verwendete um daraus dann das links geschlagene Kabel herzustellen. Auch wenn die Mars- und Bramstage sehr viel weniger Umfang als die der Untermasten haben, konnte die Schlagrichtung dieser Taue nicht eindeutig geklärt werden, es scheint mal so oder mal so zu sein, wie bei den Modellen Prins Willem und William Rex zu sehen ist.

Bei Letzterem wurde 2013 eine fast 10 Jahre dauernde Restauration abgeschlossen. Da davon auszugehen ist, dass dies für ein Museums auch nach aktuellen Erkenntnissen des historischen Schiffsbau erfolgte und hier alle Stage links geschlagen sind, werde ich das ebenso übernehmen.

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die Wanten

Für die Wanten werden rechtsgeschlage Taue verwendet auch wenn in MF angegeben ist, dass Stb- und Bb-Wanten gegenläufig geschlagen werden. Diese Aussage wurde vom Autor in späteren Publikationen wieder revidiert. Bei AN und BI ist von "entweder/oder" die Rede, es wird jedoch speziell auf das Einbinden der Juffern bei unterschiedlich geschlagenen Tauen eingegangen. Bei MS und PW fínden sich keinerlei Informationen, bei AT sind auf mehreren Detailzeichnungen Wanten beidseitig mit rechtsgeschlagenen Tauen zu erkennen.

Das dünnste Tau welches ich fertigen kann, hat einen Durchmesser von ca. 0,22 mm, eine Stärke die ich lt. dem Taustärkenrechner für die Webeleinen bräuchte. Jedoch bin ich am Überlegen ob ich diese nicht doch etwas stärker herstellen werde, da mit bloßem Auge gar keine Struktur des Taus mehr zu erkennen ist.


Recken der Taue

Wenn man Wanten am Modell spannt kann es passieren, dass diese Spannung mit der Zeit nachlässt und die Taue dann durchhängen, wie man auf dem Bild eines 30 Jahre alten Modells gut erkennen kann.

Deshalb habe ich einige Taue schon in einer recht frühen Bauphase gereept und mit einem Gewicht beschwert aufgehängt. Wie Recherchen ergaben, wurde das vorherigen Recken auch im Original genutzt. Dem Zitat folgend "bis die Seele brach", wurde hier wohl recht heftig gestreckt.

Aus RC-Segler-Zeiten hatte ich noch feines Bleigranulat für Kielballast, was ich in Plastiktüten abgefüllt und an die Seile gebunden habe. Noch werde ich zu diesem Zeitpunkt einige Zeit benötigen bis die Takelage an die Reihe kommt, so können sich die Wanten und Stage in Ruhe recken.

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Fortsetzung folgt...


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