Logo

Kohleluken des Dampfschlepper Albert

Am Beispiel der Kohlenluken des Modells der Saturn der Fa. Graupner, die lediglich als Aufkleber dem Baukasten beigelegt sind, kann man manche Gedankengänge von Modellherstellern nicht mehr nachzuvollziehen.

Es sieht so was von scheußlich und billig aus, dass man dafür kaum ein Beschreibung findet - ''sehr schlecht'' ist die saloppe Umschreibung des Dudens für das Wort ''beschissen'' - ich bitte den geneigten Leser vielmals um Entschuldigung, aber genau so siehst es aus.

Selbst ein aufgeklebtes rundes Stück Kunststoff aus der Restekiste macht wesentlich mehr her. Ich kann mir beim besten Willen nicht erklären, was sich die Konstrukteure dabei gedacht haben.

Mehrere dieser Kohleluken befanden sich auf alten Dampfschiffen i. d. R. zu beiden Seiten neben den Aufbauten direkt im Deck. Diese zumeist kreisrunden Öffnungen zu den Kohlebunkern waren durch lose oder verschraubte Deckel verschlossen.


Die Originale


Der Lukenverschluss besteht aus einer mit dem Deck verschweißten, verschraubten oder vernieteten Fassung und dem eigentlichen Lukendeckel. Die Deckel sind leicht nach außen gewölbt und haben i.d.R. Rillen auf der Oberseite - ich denke eine Art Rutschschutz. Oftmals sind die Deckel mit Griffringen versehen.

So sehen die Luken bzw. Lukendeckel im Original aus.

  • Kohleluken des Dampfschlepper Albert 
  • Ein Blick in einen Kohlebunker 
    Ein Blick in einen Kohlebunker
  • Kohleluken des Dampfschlepper Albert 


Die Lukenfassung


In Ermangelung passenden Rundmaterials mit entsprechender Wandstärke habe ich die Lukenfassung aus Plexiglas gedreht. Dazu wurden einfach zwei Scheiben aufeinander geklebt, "geachtelt" und dann auf das vorgesehene Außenmaß abgedreht.

Die untere Scheibe hat einen etwas größeren Durchmesser. So entsteht ein kleiner Absatz, weil die Lukenfassung später von unten durch eine Öffnung im Deck gesteckt und verklebt wird.

Noch ein paar Nieten eingeklebt und fertig ist der Rohling des Urmodells für die Lukenfassungen.

  • Kohleluken des Dampfschlepper Albert 
  • Kohleluken des Dampfschlepper Albert 
  • Kohleluken des Dampfschlepper Albert 
  • Kohleluken des Dampfschlepper Albert 
  • Kohleluken des Dampfschlepper Albert 

Der Lukendeckel


Auch beim Lukendeckel habe ich zwei Plexiglasscheiben übereinander geklebt, allerdings diesmal mit doppelseitigem Klebeband. In die untere Scheibe habe ich vorher ein Loch gebohrt und eine Senkkopfschraube als Haltedorn verschraubt, so konnte ich den Deckel abdrehen ohne ihn zu beschädigen.

Es wurde ebenfalls wie bei den Originalen eine leichte Wölbung und die Rillen eingearbeitet.

  • Kohleluken des Dampfschlepper Albert 
  • Kohleluken des Dampfschlepper Albert 

Die Griffringe liegen in einer Vertiefung.

Um diese Nut ebenfalls zu realisieren, wurden jeweils zwei Löcher gebohrt und zwei passende "Pfropfen" gedreht, wobei der Durchmesser der einen Hälfte etwas kleiner ist. Steckt man diese Pfropfen wieder in das Loch im Deckel, entsteht so die gewünschte Nut.

  • Kohleluken des Dampfschlepper Albert 
  • Kohleluken des Dampfschlepper Albert 
  • Kohleluken des Dampfschlepper Albert 


Die Silikonform


Da ich sieben Stück dieser Luken benötige, habe ich mir lediglich einen Satz eines Urmodells und eine Silikonform angefertigt.

  • Kohleluken des Dampfschlepper Albert 
  • Kohleluken des Dampfschlepper Albert 

Ich habe schon öfters mit Formsilikon gearbeitet, z.B. um mir Rettungsinseln herzustellen. Was mich bisher gestört hatte, war die Verwendung von Vernetzerflüssigkeit, die mit gerade mal 2% Zugabe immer recht schlecht zu dosieren war. Gerade bei geringen Mengen benötigten Silikons würde man eine Präzisionswaage benötigen um die richtige Dosierung des Vernetzers zu ermitteln.

Nun habe ich bei www.klebstoff-profi.de das 2-Komponenten-Formsilikon SI6GB gefunden, dass ähnlich wie bei Epoxid 1:1 nach Gewichtsanteilen gemischt wird. Die Herstellung von kleinen Formen ist somit nicht mehr so problematisch. Sehr gut sind auch die unterschiedlichen Farben der Einzelkomponenten (blau und gelb), so weiß man genau, wenn alles Grün ist, dann ist es gut durchgemischt, ähnlich wie man das von Polyesterspachtel mit dem roten Härter kennt.

Die Topfzeit beträgt etwa 6 bis 10 min, nach 45 bis 60 Minuten entformbar und nach etwa 1,5 bis 2 Stunden kann die Form zum Gießen verwendet werden.


Die ersten Gießlinge


Kohleluken des Dampfschlepper Albert 

Die abflachten Niete auf der Fassung haben sich als ungünstig erwiesen, irgendwie sind sie auf dem Duplikat nicht ausgeprägt genug, teilweise fehlen welche.

Die getrennte Herstellung von Fassung und Deckel ist eher suboptimal, da durch das Gießen keine plane Fläche des Deckelbodens erreicht wird. Hier müsste sehr viel nachgearbeitet werden. Auch die Rillen waren teilweise noch zu unsauber, wahrscheinlich habe ich Schleifrückstände vor dem Herstellen der Form nicht komplett entfernt.

Kohleluken des Dampfschlepper Albert 

Auch bei der Oberseite des Deckels macht sich Ernüchterung breit.

Der Effekt der Griffringfuge ist zwar da, lässt sich so erst einmal realisieren, aber nicht ganz so wie gewollt bzw. gedacht.

Die Fuge hätte etwas breiter sein müssen, in die 0,5 mm passt der Drahtring mit einem Durchmesser von 4 mm so weit gut rein, wird aber wahrscheinlich nach der Lackierung so mit Lack abgedeckt sein, dass von all dem wohl nicht mehr viel zu erkennen sein wird.


Einmal neu bitte


Es wurde ein neuer Lukenrohling angefertigt, nun als komplettes Bauteil und ohne Ringfugen, inklusive einer neuen Gießform. Die Qualität der fertig gegossenen Luken überzeugt.

  • Kohleluken des Dampfschlepper Albert 
  • Kohleluken des Dampfschlepper Albert 
  • Kohleluken des Dampfschlepper Albert 
  • Kohleluken des Dampfschlepper Albert 

Zum Abschluss wurden die Nieten wieder etwas abgeflacht, die Luken mit Griffringen versehen und eingeklebt.

  • fertig 
  • fertig 
  • fertig 

SeitenanfangZurückWeiter
aktuelles Projekt
Infos