Logo

Messing Steuerstand bei Steingraeber-Modelle


Auf einem Schiff gibt es kaum kantige Ecken. Vieles ist abgerundet.

Oftmals steht man vor dem Problem ein Rohr zu biegen, aber eine Biegevorrichtung hat man gerade nicht bei der Hand. Versuche enden in der Regel mit ''eingeknickten'' Ergebnissen.

Aber man sollte nie sagen: ''Meine Versuchen verliefen im Sand''... denn hier steckt die Lösung... Sand...

Der Biegeradius hängt allerdings von Durchmesser des Rohres ab, dabei muss der Radius immer größer sein, als der Durchmesser des Rohres. Auch die Wandstärke des Rohres spielt eine Rolle.

Messing als bevorzugtes Modellbaumaterial hat so seine Eigenarten. Es lässt sich ab einer bestimmten Abmessung im kalten Zustand praktisch kaum zufriedenstellen biegen, das gilt sowohl für Voll- wie auch für Rohrmaterial. Deshalb muss es vorbehandelt sein - es muss mit einem Gasbrenner ausgeglüht werden. Diese Behandlung nimmt dem Material die vorhandene Härte, und zwar dauerhaft. Mir sind keine Mittel und Wege bekannt, Messing wieder zu härten.

Aber man kann nun nicht einfach ''drauflosbiegen''. Das Rohr würde sich in der ''Presszone'', also im inneren Kreissegment, verformen, es wird gestaucht, es verformt sich entweder oval oder im schlimmsten Fall knickt es einfach ein. Bei dünnwandigen Röhrchen, kann es zusätzlich zur kompletten Zerstören am äußeren Kreissegment kommen, das Material bricht oder reißt. Das hat u.a. den Hintergrund, dass der Hohlraum kein Material enthält, keinen Füllstoff, somit ist auch keine Volumenverdrängung möglich.

Die Lösung für dieses Problem ist, einen geeigneten Füllstoff zu finden. Ein Möglichkeit wäre, wie schon erwähnt Sand. Jedoch eignet sich Sand erst ab einem Rohrdurchmesser von 5 mm.

Für dünnere Durchmesser ist Lötzinn eine gute Alternative, sofern das Zinn direkt in das Rohr eingeführt werden kann.

Das Röhrchen muss an einer Seite verschlossen und wieder mit dem Grasbrenner erwärmt werden, aber nur bis zum Schmelzpunkt des Zinns.

Nach dem Biegevorgang muss das Rohr nur wieder erwärmt werden, damit das Zinn wieder ausfließen kann.

Um jetzt die Ausführung nicht unnötig auszuweiten, möchte ich auf den ausführlichen Artikel ''Das Biegen von Rohren'' aus der Zeitschrift Schiffsmodell 11/1987 Seite 595 verweisen.

Demnächst werde ich auch von der in diesem Beitrag beschriebenen Biegevorrichtung berichten.

Fazit: Ein Rohr kann (fast) nur gebogen werden, wenn es nicht mehr hohl ist. Deshalb anhand einiger Bilder zwei Beispiele:

Biegen eines Rohres mit 6 mm Durchmesser 
Biegen eines Rohres mit 6 mm Durchmesser

Es soll ein 6 mm starkes Messingrohr gebogen werden. Im speziellen Fall für den Nachbau des Besanmastes eines Fischkutters. Hier im Original ist es nämlich zugleich das Abgasrohr.
Biegen von Messingrohren 
Dazu wird ein Messingrohr an der Biegestelle großflächig ausgeglüht, einfach zugekniffen...
Biegen von Messingrohren 
... und mit Sand gefüllt.

Vogelsand eignet sich sehr gut, da dieser eine besonders feine Körnung hat.
Biegen von Messingrohren 
Vor dem Biegen muss der Sand richtig verdichtet werden. Dazu einfach ein Stück Rundholz, Messingstab o.ä. mehrfach in das Rohr rein stoßen. Anschließend auch andere Ende des Rohr zuquetschen.

Auf dem Bild sieht man das Ergebnis

Da es sich an diesem Modell um die einzige Krümmung in diesem Größenverhältnis handelt, habe ich, (ich gestehe es zu meiner Schande) nicht extra eine Biegevorrichtung gebaut, sondern das Rohr einfach um einen im Schraubstock eingespannten Rundstab mit der Hand gebogen.

Mit Biegevorrichtung hätte ich einen etwas kleineren Radius erreichen können, aber ansonsten ist das Ergebnis auf jeden Fall zufriedenstellend.
Biegen eines Rohres mit 2 mm Durchmesser 
Biegen eines Rohres mit 2 mm Durchmesser

Ein Beispiel für die Herstellung einer Kausch.

Auf fast allen Schiffe wird dieses Detail verwendet und es ist gar nicht so schwer, dieses herzustellen.

Auch hier muss ein Rohr gebogen werden.

Ein handelsübliches Messingrohr mit 2 mm Außen- und 1 mm Innendurchmesser.

In das Messingröhrchen wir ein Metalldraht gesteckt. Der Außendurchmesser des Drahtes entspricht dem Innendurchmesser des Messingröhrchens.
Biegen von Messingrohren 
Mit der Rundzange wird nun das Rohr gebogen. Durch die ''Drahtseele'' kann das Rohr nicht gequetscht werden.
Biegen von Messingrohren 
Es wird soweit gebogen, bis diese typische Tropfenform entsteht. Dabei sollten beiden Rohrenden aneinander vorbeiführen. Der Größe des ''Tropfens'' muss der Größe der späteren Kausch entsprechen.
Biegen von Messingrohren 
Bei der Kausch wird allerdings nur die eine Hälfte des Röhrchens benötigt.

Es wird die Außenseite mittels Handbohrmaschine und Schleifkörper soweit abgeschliffen, bis der innenliegende Draht zu sehen ist, also die Hälfte des Rohrdurchmessers.
Beim Einsatz eines etwas gröberen Schleifkörpers geht diese Arbeit flott voran.
Biegen von Messingrohren 
Nun wird das überstehende Ende des Drahtes nach außen gebogen und der Metalldraht problemlos durch Ziehen entfernt werden.
Biegen von Messingrohren 
Hier noch einmal die fertige Kausch und ein Beispiel, wie diese in eine Leine oder Schot eingebunden ist.
Infos